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Vorwort der Herausgeber

Mit dem vorliegenden Band eröffnen die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns die von ihnen als Gemeinschaftsunternehmen herausgegebene Editionsreihe der Protokolle des Bayerischen Ministerrats für die Jahre 1945–1954. Ähnliche Editionen sind bereits für die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung und die Kabinettsprotokolle der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen im Gange. Die wissenschaftliche Bedeutung der bayerischen Protokolle ist zunächst darin zu sehen, daß mit ihnen ein Schlüssel zur gesamten Landespolitik in den ersten Nachkriegsjahren gegeben wird, insoferne sie in konzentrierter Form die zentralen Probleme dokumentieren, mit denen Bevölkerung und Regierung konfrontiert waren. Sie erhellen die innere Entwicklung Bayerns in den schwierigen Jahren des Wiederaufbaus und belegen den Anteil, den die bayerischen Staatsregierungen an den Verhandlungen des Länderrats der amerikanischen Besatzungszone sowie an der Gründung der Bundesrepublik und ihrer föderativen Ausgestaltung genommen haben. Da es sich um Verlaufsprotokolle, nicht nur Beschlußprotokolle handelt, wird auch Einblick in den Prozeß der Meinungsbildung im Ministerrat gewonnen. Durch die Kommentierung der Texte aus den Akten der Staatskanzlei, der Staatsministerien und einer Reihe von Nachlässen werden notwendige Erläuterungen sowie Hinweise auf die weiteren Zusammenhänge gegeben. Das Unternehmen versteht sich in dieser Weise als eine Grundlagenedition, welche neben ihren unmittelbaren Aussagen mannigfache Anstöße zu weiterführenden Forschungen gibt.

Die wissenschaftliche Verantwortung für die Edition liegt bei der Historischen Kommission, die eine eigene Abteilung „Bayerische Ministerratsprotokolle“ eingerichtet und mit einer Planstelle ausgestattet hat. Mit der Edition will die Kommission, die seit vielen Jahren ausschließlich vom Freistaat Bayern (abgesehen von Drittmitteln) finanziert wird, zugleich auch der Verpflichtung nachkommen, zentrale Themen der bayerischen Geschichte in ihr Forschungsprogramm aufzunehmen. Die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns hat in Verbindung mit der Historischen Kommission die Editionsrichtlinien erarbeitet und die notwendigen räumlichen und archivtechnischen Voraussetzungen für eine zügige Bearbeitung der Protokolle geschaffen. Sie bringt darüber hinaus ihre Erfahrungen bei der Wahrung schutzwürdiger Belange von Betroffenen und öffentlicher Interessen in das Projekt ein.

Die Herausgeber danken allen Institutionen und Personen, die zur Inangriffnahme und Fortführung der Edition beigetragen haben, insbesondere dem Bayerischen Ministerrat, der durch Beschluß vom 19. November 1991 dem Antrag der Historischen Kommission auf Veröffentlichung der Ministerratsprotokolle der Jahre 1945–1954 zugestimmt hat.

Dieter Albrecht Walter Jaroschka